Datum | 31.03.2025
In den letzten Jahren hat sich die globale Finanzwelt zunehmend auf Effizienz, Schnelligkeit und Risikominimierung fokussiert. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung ist die Einführung des T+1 Settlementmodells, die in der Europäischen Union im Oktober 2027 geplant ist. Bei dem T+1 Modell erfolgt die Abwicklung von Wertpapiergeschäften an nur einem Tag nach dem Handelsabschluss.
Diese beschleunigte Wertpapierabwicklung bietet zahlreiche Vorteile – von einer besseren Marktliquidität über die Reduktion von Risiken bis hin zu einer optimierten Kapitalnutzung. Doch gleichzeitig bringt sie auch Herausforderungen mit sich, insbesondere für Marktakteure, die ihre Infrastruktur noch an die neuen Anforderungen anpassen müssen. In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf das T+1 Settlementmodell, seine Auswirkungen auf den Finanzmarkt und die weitreichenden Veränderungen, die dieses neue Modell mit sich bringen wird.
Was bedeutet T+1?
Der Buchstabe „T“ steht für den Handelstag (Transaction Day), und die Zahl „1“ bezeichnet die Anzahl der Tage nach dem Handel, an denen die Transaktion abgeschlossen wird. Der Handelsabschluss (T) markiert den Moment, in dem Käufer und Verkäufer eine Transaktion vereinbaren, während der "plus eins"-Tag die Frist darstellt, innerhalb derer alle Vereinbarungen abgewickelt werden müssen.
In der Praxis bedeutet dies:
- Der Käufer bekommt am nächsten Tag die gekauften Wertpapiere.
- Der Verkäufer erhält die Zahlung für seine Wertpapiere.
Dies ist ein deutlich schnellerer Prozess im Vergleich zu den bisherigen Settlementzyklen T+2 oder T+3, bei denen die Abwicklung erst zwei bzw. drei Tage nach dem Handelsabschluss stattfindet bzw. stattgefunden hat.
Warum wird das T+1 Settlement global eingeführt?
Dass die Abwicklung von Transaktionen mehrere Tage wie T+3 in Anspruch genommen hat, hat verschiedene Gründe. Früher wurden die Transaktionen noch manuell bearbeitet, es standen nur begrenzt moderne Technologien zur Verfügung. Mit der Zeit aber, und besonders durch den Einsatz moderner Technologie, wurde der Bedarf nach schnelleren und effizienteren Abwicklungsprozessen wie T+2 immer dringlicher. Zudem wuchs der Druck auf Europa durch internationale Vorgaben und Bestrebungen immer weiter an, denn die Märkte in den USA und Asien hatten den Übergang zu kürzeren Abwicklungszyklen bereits vollzogen. Und bei der Einführung von T+1 haben die USA erneut die Nase vorn. Die Hauptgründe für die Einführung von T+1 sind:
- Technologische Fortschritte: Durch den Einsatz von fortschrittlichen Abwicklungssystemen und Technologien wie der Blockchain können Transaktionen schneller und sicherer abgewickelt werden.
- Erhöhte Marktliquidität: Ein kürzerer Abwicklungszeitraum bedeutet, dass Kapital schneller verfügbar wird, was Liquidität und Handelsvolumen steigert.
- Reduzierung von Risikofaktoren: Ein kürzerer Zeitraum zwischen Handelsabschluss und Abwicklung verringert die Exposition gegenüber Marktveränderungen, Währungsrisiken oder anderen externen Einflüssen.
- Anpassung an internationale Standards: Der Druck, mit internationalen Märkten wie den USA oder Asien Schritt zu halten, hat ebenfalls die Umstellung auf T+1 vorangetrieben.
Wie weit ist die Einführung von T+1 Settlement in anderen Ländern fortgeschritten?
Die Einführung von T+1 Settlement variiert weltweit, da verschiedene Regionen unterschiedliche Märkte und regulatorische Anforderungen aufweisen.
Märkte, die T+1 bereits eingeführt haben:
- USA, Canada und Mexiko: Die Umstellung auf T+1 als neuen Standard für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften ist bereits umgesetzt.
- Indien: Indien hat ebenfalls den Übergang zu T+1 vollzogen und damit den Abwicklungsprozess erheblich beschleunigt.
- Japan: Auch der japanische Markt hat T+1 implementiert, um mit den schnelleren internationalen Märkten zu konkurrieren.
Märkte, die noch T+2 oder länger nutzen:
- Europäische Union: Viele europäische Märkte nutzen derzeit noch T+2 als Standard für die Abwicklung von Transaktionen – obwohl es Bestrebungen gibt, auch in der EU T+1 einzuführen. Die Umstellung auf T+1 wird voraussichtlich am 11. Obktober 2027 stattfinden.
- China: Auch China nutzt noch T+2 für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Es wird jedoch erwartet, dass dort in naher Zukunft auf T+1 umstellt wird, um mit den globalen Entwicklungen Schritt zu halten.
- Vereinigtes Königreich: Der britische Markt arbeitet derzeit ebenfalls mit T+2. Die britische Accelerated Settlement Taskforce (AST) empfiehlt allerdings, dass auch das Vereinigte Königreich am 11. Oktober 2027 zum T+1-Abwicklungszyklus für Wertpapiere übergehen sollte – analog zum Termin in der EU. Ein Umsetzungsplan der AST soll am 20. Februar 2025 vorgelegt werden.
- Schweiz: Der Swiss Securities Post-Trade Council (swissSPTC) empfiehlt ebenfalls den Übergang zu T+1 im Oktober 2027. Die swissSPTC-Taskforce T+1 wird nun mit der detaillierten Bewertung spezifischer Vorschläge beginnen und Empfehlungen für den Übergang ausarbeiten